HB Magazin 3 2024
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Demografische Entwicklung fordert Medizin, Gesundheitswesen und Gesellschaft Wie gut sind wir vorbereitet?
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Die Bevölkerung in Deutschland wird älter. Reichen die derzeitigen Strukturen im ambulanten und stationären Sektor aus, um in den kommenden Jahren immer mehr geriatrische Patient:innen und ihre spezifischen Bedarfe angemessen zu behandeln? Bereits heute sind Versorgungslücken vorhanden. Um die nicht größer werden zu lassen, müsste jetzt gehandelt werden. Schnell und entschlossen.
„Wir laufen auf ein richtiges Problem zu“, sagt Dirk van den Heu vel. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Geriatrie findet klare Worte, wenn es um die Zukunft der Geriatrie geht. Momentan sei die Grundversorgung älterer Patient:innen im bestehenden System im Großen und Ganzen gesichert, zumindest was die Akuttherapie in Krankenhäusern betrifft. Nur wenige weiße Flecken gibt es hier noch, vor allem im Osten und Norden Deutschlands, in ländlichen Regionen. Doch wenn immer mehr Menschen im Alter Versorgungs bedarfe entwickeln – in gut zehn Jahren werden die ersten Baby boomer geriatrische Versorgung beanspruchen – wird das nach van den Heuvels Einschätzung alles anders aussehen. Die 15. Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bun desamtes von Ende des Jahres 2022 gibt einen kleinen Eindruck davon, was in wenigen Jahren an Herausforderungen auf das Ge sundheitssystem und die Gesellschaft zukommen wird. In der Vo rausberechnung wurden die bisherige demografische Entwicklung sowie Prognosen für verschiedene Alterskohorten zusammenge fasst. Die Entwicklung ist klar: Es wird immer mehr ältere Menschen und immer weniger Jüngere geben. Die Zahl der Menschen ab 67 Jahren stieg zwischen 1990 und 2021 um 58 Prozent von 10,4 Milli onen auf 16,4 Millionen. Bis Ende der 2030er-Jahre wird diese Zahl auf mindestens 20,4 Millionen anwachsen. Die Entwicklung der Bevölkerung im Alter zwischen 67 und 79 Jahren steigt von derzeit 10,2 Millionen Personen bis auf etwa 14 Millionen im Jahr 2037. Mit dem allmählichen Übertritt der Menschen in die nächste Altersko horte wird erwartet, dass sich bis zum Jahr 2070 die Entwicklung auf bis zu 12,4 Million einpendeln wird. Bei den sogenannten Hoch altrigen ab 80 Jahren wird die Zahl noch bis etwa 2030 bei rund sechs Millionen liegen und für die folgenden 20 Jahre kontinuierlich zunehmen. Für das Jahr 2050 wird dann eine Entwicklung auf 8,4 Millionen bis 9,9 Millionen prognostiziert. Pflegebedürftigkeit wird rasant zunehmen Mit dem zunehmenden Alter der Bevölkerung wird auch die Pflegebedürftigkeit zunehmen. Das Statistische Bundesamt hat im März 2023 eine Pflegevorausberechnung herausgegeben. Demnach wird davon ausgegangen, dass die Zahl der pflegebedürftigen Men schen in Deutschland allein durch die zunehmende Alterung bis 2055 um 37 Prozent wachsen wird. Ende 2021 betrug die Zahl der Pflegebedürftigen rund fünf Millionen. Bis 2055 wird sie auf etwa 6,8 Millionen ansteigen. Da die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1950er- und 1960er-Jahren durch geburtenschwächere Jahrgänge abgelöst werden, wird es nach 2055 keine starken Veränderungen mehr geben. 2070 dürfte damit die Zahl der Pflegebedürftigen bei etwa 6,9 Millionen liegen.
Alter
Prozentsatz der Gesamtbevölkerung 83.294.632 (2023)
6
7
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